Archiv für den Monat: Juni 2015

Antonin Varenne: Die sieben Leben des Arthur Bowman

Großartiger Sommerschmöker

Vielleicht gibt es in jeder Dekade den einen Abenteuerroman. Mitte der Siebziger Jahre war es für mich Shogun von James Clavell. Über andere müsste man weiter nachdenken.
Aktuell ein herrliches Exemplar: Die sieben Leben des Arthur Bowman von Antonin Varenne
Varenne geht von der einfachen Tatsache aus, dass Mitte des 19. Jahrhunderts die Globalisierung so weit fortgeschritten war, dass ein einfacher Mann in der Spanne seines Lebens auf (fast) allen Kontinenten leben und arbeiten konnte – als Soldat.
Nach ersten Aufenthalten in Afrika, noch als Schiffsjunge, wird Arthur Bowman in Diensten der britischen Ostindischen Kompanie als „härtester Sergeant Indiens“ in den frischen Kolonialkrieg gegen Burma geschickt. Für eine geheime Mission soll er zehn Männer auswählen. Kurz nach einem Massaker am Ufer des Irrawaddy scheitert das Unternehmen, die Zehn werden von Einheimischen gefangen genommen. Sieben Jahre später tut ein traumatisierter, seine Albträume mit Opium und Schnaps dämpfender Bowman in London Polizeidienst. Während einer Hitzeperiode, in der die Stadt sich in eine Kloake verwandelt, entdeckt Bowman eine Leiche. Sie ist verstümmelt mit dem gleichen Narbenmuster, das er und seine zehn Soldaten auf dem Körper tragen – Folgen der Foltern in Burma.

Weiterlesen

Martin Burckhardt: Score

Digital vermittelte Sozialkontakte als Weltwährung

Als Anne Sophie von Markus Lanz gefragt wurde, wie sie die Null-Punkte-Klatsche beim ESC verschmerzt, antwortete sie nicht ohne Ironie: „Einen Tag später hatte ich 25.000 neue Follower.“
Was wäre, wenn diese Follower der Sängerin auf ein Konto gutgeschriben würden, mit dem sie ihre Miete, Make-up und Brötchen bezahlen könnte? Schon werten sich Loser durch Likes auf, Stars vermehren ihren kommerziellen Wert in den social media.

Martin Burckhardt denkt in seinem dystopischen Thriller SCORE eine Zeitschraube weiter. 2023 sind nach einer Reihe von Weltfinanzcrashs, nach Bürgerkriegen und Flüchtlingsströmen die Likes und Dislikes im reichen Teil der Welt verbindliche Währung. Ein freundliches Lächeln, und du bist im Plus, einmal Hamburger gegessen: dickes Minus. ECO (für Enriched Cybernetic Organism) nennt sich dieser aus Euro-Europa, Japan und noch ein paar anderen Reichen bestehende beste aller Staaten. In dieser Sphäre herrscht eitel Freude und Sonnenschein. Die Personalcomputer sind so klein, dass sie auf der Haut oder ale Brille getragen werden, Mensch und digitaler Avatar sind beinahe eins. Da die Wissenschaft nur noch der Welt- und Menschenverbesserung dient,  sind Energie- und Ernährungsprobleme durch neue Technologie gelöst. Niemand muss mehr arbeiten, aber wer will, darf  …spielen, Rettungssanitäter zum Beispiel. Und dafür seinen Score verbessern.

Weiterlesen