Archiv für den Monat: Februar 2016

„Blinde Kommissare“ – auf die Details kommt es an

Jenny Aaron ist nicht die erste, aber einzigartig

Andreas Pflüger hat mit ENDGÜLTIG einen perfekten Thriller geschrieben.
Meine Rezension dazu steht in der ZEIT vom 3.3.16.
Pflügers Heldin – und zwar in allen Bedeutungsfacetten – ist Jenny Aaron, ehemals Top-Agentin einer ultrageheimen „Abteilung“, erblindet, jetzt Ermittlerin im BKA. Jenny wechselt abrupt aus der Rolle der Beraterin und Analytikerin in die der Einzelkämpferin, als sie klarkriegt, dass der Fall, den sie untersucht, eine Falle ist, die ihr gestellt wurde – von ihrem Lebens-Widersacher.

In ihrer leicht irritierten, aber letztlich zustimmenden Rezension behauptet Sandra Kegel (FAZ vom 29.2.16), die Idee einer blinden Kommissarin sei völiig neu: „Selbst im Fernsehen, wo man auf kaum eine Profilvariante bei Kommissaren verzichtet, ist die Idee einer blinden Kommissarin bisher über den Versuch nie hinausgekommen.“
Abgesehen davon, dass der Titel „Kommissarin“ Jennys Aktivitäten ungefähr so scharf beschreibt wie James Bonds Dienstgrad „Commander“ seine Aktionen als 007, stimmt auch die Grundthese nicht.
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Misha Glenny: Der König der Favelas

Als sich Rio de Janeiro als Austragungsstätte für die Fußballweltmeisterschaft bewarb und für die Olympischen Spiele 2016 kandidierte, hatte die Stadt am Zuckerhut ein Problem. Sie galt als unsicher. Mindestens ein Viertel der rund 7 Millionen Einwohner lebte und lebt in Favelas. Und die Favelas wurden von Drogenbanden kontrolliert, auf die die Polizei keinen Zugriff hatte.

Rechtzeitig vor Eröffnung der Olympischen Spiele ist jetzt ein Buch über die Machstrukturen in diesen Inseln der Armut und der Gewalt erschienen. Verfasst hat es Misha Glenny, ein versierter Kenner der internationalen Organisierten Kriminalität. Sein Buch McMafia. Die grenzenlose Welt des Organisierten Verbrechens von 2008 ist ein unverzichtbarer Überblick zum Thema. Das aktuelle mit dem Titel Der König der Favelas ist als Porträt eines Mannes angelegt, der länger als jeder andere brasilianische Drogenboss der Don der berühmten Favela Rocinha war.

Der gute Herrscher

Sein Spitzname ist Nem und wie bei einem Feudalherrn lautet dieser vollständig Nem da Rocinha. Mit dem Unterschied nur, dass Antônio Francisco Bonfim Lopes – so sein bürgerlicher Name – zwar 1978 in Rocinha geboren wurde, aber immer nur ein König auf Zeit war. Ein guter König, daran lässt Glenny kaum Zweifel.

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