Archiv für den Monat: Juli 2016

Patrícia Melo – „Queen of Crime“?

Melo Trügerisches LichtLese gerade Patrícia Melo Trügerisches Licht und stolpere beim Aufschlagen des Buches über ein Werbequote aus der Berliner Zeitung, in dem Melo als „Königin des lateinamerikanischen Krimis“ gepriesen wird.

Zweifellos ist Melo eine großartige Autorin, aber den aus monarchischer Begeisterung gespeisten Titel Königin hat sie nicht verdient. Wer sich nur ein bisschen mit ihrem Werk beschäftigt hat, weiß, das sie wie wenige andere Unterwürfigkeit, Heuchelei, Verlogenheit und andere antidemokratische Sekundäruntugenden durchschaut und seziert. Lob – und das ist ja beabsichtigt – sollte besser und klarer formuliert werden. Melo mit anderen Queens wie Agatha Christie oder Dorothy Sayers gleichzustellen, tut allen nicht gut.

Lee Child: Die Gejagten

Drei Reachers sind zuviel

(c) btb

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Von Freunden, die Fußballfans sind, weiß ich, dass zum Fan-Schicksal irgendwann auch eine große Enttäuschung gehört. Der Verein ist abgestiegen oder der Star hat ihn verraten oder so was.
Was macht man aber als Autoren-Fan, wenn der Verehrte schwächelt?
Ich tröste mich erst einmal noch mit dem Gedanken, dass Lee Child einfach ein Formtief hat. Allerdings dauert das schon recht lange.
Es hat mit der Frauenfrage zu tun, genauer damit, dass der bisher nur en passant gebundene Reacher sich seit mehreren Bänden (ich meine die deutschen Ausgaben) auf einem romantischen Trip befindet.
Ihm hat es in 61 Stunden – damals im kalten South Dakota – die Stimme von Susan Turner angetan. Sie sitzt dort, wo er zuletzt als Major diente, auf dem Kommandeurssessel des 110. Special Unit der MP in Rock Creek bei Washington, D.C. Sie hat einen so starken Eindruck auf Reacher gemacht, dass er jetzt, in Die Gejagten, dort eintrudelt, um sie zum Essen einzuladen.
Nur ist sie nicht da. Sondern im Knast.

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Charlie Stella: Johnny Porno

Multiple Vergnügen, scharfer Realismus

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Seinen ermordeten Vorgänger nannten sie Tommy Porno. Jetzt fährt Johnny Albano für Boss Eddie, der wiederum der Vignieri-Familie verantwortlich ist, Filmrollen durch  New York und kassiert die Einnahmen in den Schuppen, Kellerlokalen und Sportstudios, die die Mafia-Franchise-Unternehmer als illegale Abspielstätten für den verbotenen Superfilm Deap Throat benutzen. Und wird von jedermann Johnny Porno genannt.
„Ich heiße Johnny Albano!“ Er mag es so oft wiederholen, wie er will. So wie sie ihm seinen Namen nehmen, verfügen sie auch über seine Selbstbestimmung. Wollen es zumindest.

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