Archiv für den Monat: Februar 2017

Ulf Torreck: Fest der Finsternis

Fest der Finsternis von Ulf Torreck

 

Das ideale Buch für eine Grippe: vier Tage Abtauchen in die Welt des Ersten Kaiserreichs. Mit leichtem Fieber.

1805 in Paris. Es stinkt bestialisch. In der Seine wird der Torso einer Sechzehnjährigen gefunden, in deren Vagina ein merkwürdiges Kreuz. Kurz vor ihrem Tod hat sie entbunden. Kommissar Marais (=“ der Sumpf“) ist von Polizeiminister Fouché aus Brest zurückgeholt worden; er glaubt, Gott habe ihn beauftragt, Großes zu tun. Da Marais nicht weiterkommt, sucht er bei dem Mann Unterstützung, der sich mit außergewöhnlichem Sex, verborgenen Umtrieben und Blasphemie auskennt: Marquis de Sade.

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Besuch bei Jerome Charyn 2013

Jerome Charyn und Isaac Sidel – der Autor und sein Cop

Im Oktober 2013 war ich bei Jerome Charyn in Manhattan zu Besuch. In Deutschland war nach 12jähriger Pause wieder ein Sidel-Roman erschienen: Unter dem Auge Gottes. Der folgende Text ist erstmals im Krimispezial der ZEIT erschienen.

Er ist nicht in Paris. Vor Jahren hätte man ihn dort antreffen können, in einem Apartment mit Blick auf Montparnasse. Jetzt lebt Jerome Charyn wieder in New York. In Greenwich Village im zehnten Stock eines alten Apartmenthauses. Vom Dachgarten hat er weite Sicht über das südliche Mahnhattan. Es ist der 30. September, ausgerechnet der letzte Moment, an dem sich Republikaner und Demokraten noch auf einen Haushaltskompromiss einigen könnten. Am nächsten Morgen werden die Abgeordneten den Staat ins Koma des shutdowns versetzen. Während Charyn auf einem Tischchen Platz für Möhrenkekse schafft, knurrt er: »Die sind doch komplett verrückt! In mehr als fünfzig Jahren Schreiben bin ich nicht auf so etwas Wahnsinniges gekommen.«

Jerome Charyn 2016
© Klaus Schoenwiese

Dabei ist in Jerome Charyns Fiktionen schlechthin alles möglich, auch der größte Wahnsinn.

 

Oder wie soll man das anders nennen, wenn Isaac Sidel, selbst ein Jude aus der Bronx und damals Deputy Chief Inspector der New Yorker Polizei, nicht nur seinen Schüler, den blauäugigen Polizisten Manfred Coen, umbringen lässt, sondern auch beinahe die ganze jüdische Familie Guzmann ausrottet? So geschehen, so blutig ausgemalt im ersten Band von Charyns Sidel-Saga, in Blue Eyes von 1975. Jetzt, beinahe vierzig Jahre später, am Ende des soeben auf Deutsch erschienenen elften Bandes mit dem Titel Unter dem Auge Gottes, wird Isaac Sidel, der den Guzmanns seinerzeit vorkam wie »der Würgeengel, den der Lord Adonai geschickt hat«, Präsident der Vereinigten Staaten sein.

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