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Sarah Schmidt: „Seht, was ich getan habe“

Können Frauen töten? Gift galt als traditionelle Waffe des sogenannten schwachen Geschlechts, aber Mord mit der Axt? Und dann gleich ein Doppelmord? Fragen dieser Art machten 1892 die Morde an dem reichen Unternehmer Andrew Borden und seiner zweiten Frau Abby zu einem Aufreger, weit über die Grenzen der kleinen Industriestad River Falls in Massachusetts hinaus.

Die Leichen von Andrew und Abby Borden wurden am Morgen des 4. August 1892 in ihrem Haus aufgefunden. Der Mörder oder die Mörderin hatte sie mit Axthieben auf Kopf und Rücken getötet. Nach raschen Ermittlungen wurde die jüngere Tochter Andrew Bordens, die damals 32-jährige Lizzie, angeklagt – und freigesprochen. Seitdem ist die junge, durch den Mord an Vater und Stiefmutter steinreich gewordene Lizzie ein fester Bestandteil der amerikanischen Mythologie und Folklore. Lizzie trat bei den Simpsons auf, eine Oper, etliche Krimis und Filme verarbeiteten den ruchlosen, ungeklärten Mord. Zuletzt mordete sie sich 2017 in einer RTL-Serie durch River Falls.

Wer sich literarisch dieses in allen Richtungen durchgekauten Falls annimmt, muss gute Gründe und ein gutes Händchen haben. Das ist der jungen Australierin Sarah Schmidt in ihrem Debüt „Seht, was ich getan habe“ offensichtlich gelungen.

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Chloe Hooper: Der große Mann

Eine erschütternde Reportage über den Tod eines Aborigine in Polizeigewahrsam – und wie es dazu gekommen ist

Chloe Hooper (c) Liebeskind

Geographisch gewagt lokalisierte Elmar Krekeler in seiner Rezension von Garry Dishers gleichnamigem Roman die eher im Süden gelegene BITTER WASH ROAD (Platz 1 der KrimiZEIT-Bestenliste März und April) in Australiens „Mittlerem Norden“.
Ethnographisch wie geographisch einwandfrei australischer Norden sind die Schauplätze von Chloe Hoopers erschütternder Reportage DER GROSSE MANN.
In den Jahren 2004 bis 2007 wurde der Staat Queensland von politischen Auseinandersetzungen aufgewühlt, in denen Grundfragen des australischen Selbst- und Geschichtsverständnisses aufbrachen. Der Tod des 36jährigen Aborigines Cameron Domadgee auf der Polizeiwache von Palm Island 2004 führte zu dem ersten Prozess, der je gegen einen verantwortlichen Polizisten wegen Tod in Polizeigewahrsam geführt wurde.

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