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Patrícia Melo – „Queen of Crime“?

Melo Trügerisches LichtLese gerade Patrícia Melo Trügerisches Licht und stolpere beim Aufschlagen des Buches über ein Werbequote aus der Berliner Zeitung, in dem Melo als „Königin des lateinamerikanischen Krimis“ gepriesen wird.

Zweifellos ist Melo eine großartige Autorin, aber den aus monarchischer Begeisterung gespeisten Titel Königin hat sie nicht verdient. Wer sich nur ein bisschen mit ihrem Werk beschäftigt hat, weiß, das sie wie wenige andere Unterwürfigkeit, Heuchelei, Verlogenheit und andere antidemokratische Sekundäruntugenden durchschaut und seziert. Lob – und das ist ja beabsichtigt – sollte besser und klarer formuliert werden. Melo mit anderen Queens wie Agatha Christie oder Dorothy Sayers gleichzustellen, tut allen nicht gut.

Misha Glenny: Der König der Favelas

Als sich Rio de Janeiro als Austragungsstätte für die Fußballweltmeisterschaft bewarb und für die Olympischen Spiele 2016 kandidierte, hatte die Stadt am Zuckerhut ein Problem. Sie galt als unsicher. Mindestens ein Viertel der rund 7 Millionen Einwohner lebte und lebt in Favelas. Und die Favelas wurden von Drogenbanden kontrolliert, auf die die Polizei keinen Zugriff hatte.

Rechtzeitig vor Eröffnung der Olympischen Spiele ist jetzt ein Buch über die Machstrukturen in diesen Inseln der Armut und der Gewalt erschienen. Verfasst hat es Misha Glenny, ein versierter Kenner der internationalen Organisierten Kriminalität. Sein Buch McMafia. Die grenzenlose Welt des Organisierten Verbrechens von 2008 ist ein unverzichtbarer Überblick zum Thema. Das aktuelle mit dem Titel Der König der Favelas ist als Porträt eines Mannes angelegt, der länger als jeder andere brasilianische Drogenboss der Don der berühmten Favela Rocinha war.

Der gute Herrscher

Sein Spitzname ist Nem und wie bei einem Feudalherrn lautet dieser vollständig Nem da Rocinha. Mit dem Unterschied nur, dass Antônio Francisco Bonfim Lopes – so sein bürgerlicher Name – zwar 1978 in Rocinha geboren wurde, aber immer nur ein König auf Zeit war. Ein guter König, daran lässt Glenny kaum Zweifel.

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Ana Paula Maia: Krieg der Bastarde

Ein Heidenspaß und ein bitterböses Buch: Ana Paula Maias Krieg der Bastarde. Man kann es lesen wie ein Kippbild. Als Überlebenskampf einiger junger Leute in einer brasilianischen Großstadt, die auf Pump leben mit ihrer Schlauheit als einzigem Kapital. Oder als gnadenlose Jagd des fetten Don Zeferino auf diejenigen, die sein Koks und sein Geld beiseite geschafft haben, um selbst mal aus den Schulden zu kommen oder zu einem Dach über dem Kopf. Maia nimmt es von der Seite der jungen Leute und erzählt es aus der Sicht eines der wenigen, der den Einsturz eines Hauses, einen boxkampf mit allen Mitteln und etliche Mordanschläge überlebt haben. Meine Rezension in den Literaturnachrichten findet Ihr hier.


Ana Paula Maia: Krieg der Bastarde
Aus dem Portugiesischen vn Wanda Jakob
A1 Verlag, 222S., 18,80 €