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Patrick Mc Ginley: Bogmail

Die Kneipe, in die der Leviathan nicht reinkann

bogmailAls Bogmail 1978 erschien, war die lokale Presse nicht amüsiert. Zu pornograhisch, Nestbeschmutzung, befand damals der „Donegal Democrat“. Kein Wunder, wird darin doch ein Kollege des Donegal Dispatch als trinkfreudiger Kopist immer gleicher Nachrichten über Wetter und Haustiere karikiert. Und die an Roarty’s Kneipentresen entstandene winzige Opposition gegen den modernistisch-scheußlichen Kirchennaubau, den der Pfarrer zur Selbstbeweihräucherung errichten will, hält genau einer Drohung stand, bevor sie kapituliert. Erpressung und Drohung, Gerüchte und Verdächtigungen sind das Nährfutter der dörflichen Existenz von Glenkeel. Der kleine Ort an der irischen Nordwestküste, wohl identisch mit dem Glencolumbkille, in dem Patrick McGinley 1937 geboren wurde, befindet sich in jenem  Urzustand, den Thomas Hobbes als „Krieg aller gegen alle“ bezeichnet hat.
Mit dem Unterschied nur, dass der Krieg nicht offen ausgetragen, sondern jeden Abend mit einem Waffenstillstand unterbrochen wird, besiegelt an Roarty’s Tresen. Bei Hobbes wird der Frieden durch den Leviathan, den mächtigen absoluten Staat, garantiert. Nicht so in Glenkeel: Hier werden die Aggressionen gewaltfrei ausgetragen, im mal gelehrten, mal albernen, aber in jedem Fall einfalls- und wendungsreichen Gespräch.

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